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Wie trockentolerant sind Apfelunterlagen?

Forschung zur Trockentoleranz von Apfelunterlagen im Feldversuch

Ein Bild von einer Reihe von Apfelbäumen auf einer Wiese

© AdobeStock | Marina Lohrbach

Kleve, 27. August 2026. Das Forschungsprojekt zur Trockentoleranz von Apfelunterlagen startete im Februar 2024 im Tropischen Gewächshaus der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) in Kleve. Dort wurden insgesamt 264 einjährige Pflanzen von sechs verschiedenen Apfel-Unterlagensorten gepflanzt – von stark- bis schwachwüchsig. Eine Apfelunterlage ist dabei die Wurzel samt Teilstück des Stammes, auf die eine Edelsorte veredelt wird.

Von Juni bis August 2024 absolvierten die Jungpflanzen ein Trockenstress-Experiment. Die 256 verbliebenen Unterlagen wurden im Januar 2025 – unterstützt vom LIKK e. V. (Landschaftspflege im Kreis Kleve) – mit den Edelsorten Zabergäurenette und Rheinischer Winterrambur veredelt und in einer Baumschule verpflanzt. Im November 2025 folgte der Schritt ins Freiland: Eine Auswahl der Bäume auf den vier Unterlagen Bittenfelder, Antonovka, M9 T337 sowie G214 wurde in Agroforststreifen auf den Flächen zweier Kooperationspartner des Agroforst-Reallabors gepflanzt.

Zwei Standorte, zwei Extreme

Die wissenschaftliche Leitung des Feldversuchs liegt bei Frau Ortmann, Doktorandin im Agroforst-Reallabor der HSRW. Sie erklärt das Studiendesign: Die Unterlagen werden auf Standorten unterschiedlicher Bodengüte verglichen. Die Fläche des Biohofs Berkhöfel in Goch-Keppeln bietet den Bäumen mit tonig-schluffigem Boden gute Bedingungen. Ganz anders die zweite Versuchsfläche auf dem Monreberg in Kalkar: Der dortige sandige Boden bringt den Kulturapfel angesichts des Klimawandels an seine Grenzen. Insgesamt wurden auf den beiden Flächen 126 Bäume gesetzt – 71 Apfelhochstämme und Niederstammspindeln auf der Fläche in Goch-Keppeln, 55 Bäume auf dem Monreberg.

Für den landwirtschaftlichen Betriebsleiter Herrn van Aken waren mehrere Beweggründe ausschlaggebend, die etwa 2,7 Hektar große Fläche in Goch-Keppeln mit einem Agroforstsystem zu bepflanzen. Zum einen sehen er und das Reallabor in den Baumstreifen einen künftigen Windschutz: Die erste Reihe soll den Wind brechen, die zweite für Schattenwurf sorgen. Zum anderen dient das System dem Biotopverbund – gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum im Kreis Kleve wurde im Rahmen des Interreg VI-Projekts „Grenzenlose Landschaft“ eine neue Hecke aus Schlehe, Haselnuss, Kirschpflaume, Sal-Weide und Holunder angelegt, die als Lebensraum für Nützlinge dienen soll. Zusammen mit einer bestehenden Hecke ist der Acker nun von drei Seiten umgeben und besser vor Wetterextremen geschützt.

Darüber hinaus spielen auch gestalterische und rechtliche Aspekte eine Rolle: Die Baumstreifen sollen langfristig an eine weitere Obstallee am Hofgelände anschließen. Herr van Aken betont zudem, dass er den Ackerstatus der Fläche nicht verlieren möchte. Deshalb wurden die beiden Baumstreifen, die das Feld queren, als Agroforst angelegt – so bleibt die Möglichkeit bestehen, daraus wieder eine reine Ackerfläche zu machen, auch wenn eine Rodung nicht geplant ist.

Ein Baumstreifen genügt

Auf die Frage, ob zwei Baumstreifen für ein „echtes“ Agroforstsystem ausreichen, verweist Frau Ortmann auf die wissenschaftliche Definition: Agroforst bezeichnet die Kombination von Ackerbau oder Dauergrünland mit Gehölzen und/oder Tierhaltung auf einer Fläche – und genau das ist hier umgesetzt. Auf der Fläche in Goch-Keppeln wurden 71 Bäume in zwei jeweils rund 175 Meter langen Streifen gepflanzt, auf dem Monreberg 55 Bäume in einem 390 Meter langen Streifen. Ob in den Folgejahren ergänzende Baumstreifen oder Hecken gepflanzt werden, ist offen. Erfahrungsgemäß werden Agroforstsysteme oft sukzessive angelegt, damit gesammelte Erfahrungen in die Weiterentwicklung einfließen können.

Die Anordnung der Bäume folgt dem sogenannten Bleiber-Weicher-System: Als „Bleiber“ werden die langlebigen Hochstämme bezeichnet, als „Weicher“ die schneller tragenden Niederstammspindeln. Die Hochstämme stehen im Feldversuch im Abstand von 14 Metern; in der ersten Reihe stehen zwischen ihnen jeweils fünf Niederstammspindeln. Für die Hochstämme wird ein Kronendurchmesser von bis zu zwölf Metern erwartet – die Abstände bieten also etwas mehr Puffer als bei einer reinen Hochstammpflanzung üblich.

Dennoch werden in etwa zehn Jahren die ersten Spindelbäume den Hochstämmen weichen müssen, beginnend mit jenen, die unmittelbar daneben stehen und deren Kronenentwicklung langfristig behindern würden. Frau Ortmann weist darauf hin, dass häufige Fehler in solchen Systemen zu geringe Pflanzabstände und eine zu späte Entnahme der Weicher seien. Wann und wie die Entnahme in diesem Fall sinnvoll erfolgt, sei Teil der gemeinsamen Praxisforschung. Die Spindeln tragen zwar früher Ernte und überbrücken die ertragslose Zeit der Hochstämme, müssen dafür aber früher entfernt werden. In der zweiten Reihe wurden zum Vergleich ausschließlich Hochstämme gesetzt.

Bewirtschaftung und Verbissschutz

Die Ackerflächen zu beiden Seiten der Baumstreifen – je fast 18 Meter breit – bleiben vollständig bewirtschaftbar. In den Baumstreifen selbst wurde Grünland eingesät, das derzeit durch Schafbeweidung kurz gehalten wird. Das Wildobst aus der neu gepflanzten Hecke soll geerntet und in der hofeigenen Destille verwertet werden.

Der Verbissschutz war laut Frau Ortmann ein zentraler Planungspunkt: Schäfe fressen Blätter und vor allem junge Apfelbaumrinde, zudem stellen Rehe und Hasen eine Gefahr dar. Für die reine Hochstammreihe genügte ein gewöhnlicher Einzelbaumschutz aus Kunststoffstammschutz, Drahtgitter und zwei Pfählen. Für die Niederstammspindeln mit ihrem niedrigen Kronenansatz wurde hingegen der gesamte Bleiber-Weicher-Streifen eingezäunt – als Litzenzaun aus stromführenden Drähten auf Holzpfählen. Herr van Aken erklärt dabei eine wichtige Praxisnote: Bewuchs, der die unterste Litze erreicht, leitet den Strom ab. Die unterste Litze ist deshalb auf 30 Zentimeter Höhe gesetzt – gerade so hoch, dass Schafe und Rehe nicht darunter hindurchkommen, aber gleichzeitig nah genug am Boden, um eine Beweidung nahe an den Baumscheiben zu ermöglichen. Das spart Arbeit bei der Unterwuchspflege.

Wie gestaltet sich der Aufwand des Projektes?

Einen zusätzlichen Arbeitsaufwand bringt das System in den ersten Jahren durchaus mit sich. Frau Ortmann betont, dass die Bäume insbesondere in den ersten zwei bis drei Jahren gewässert und die Baumscheiben freigehalten werden sollten, um die Konkurrenz um Wasser mit dem Unterwuchs zu mindern. Die anhaltende Dürre erschwere die Etablierung der Jungbäume zusätzlich. Auch der Winterschnitt zur Kronenerziehung sei erforderlich. Sind die Hochstämme erst zu Altbäumen herangewachsen, reiche ein Erhaltungsschnitt alle paar Jahre – vorausgesetzt, die Kronenarchitektur wurde als Jungbaum sinnvoll aufgebaut. Herr van Aken ergänzt aus seiner Erfahrung: Das Freihacken der Baumscheiben sei die beste Lösung, mindestens ein-, besser sogar zweimal jährlich.

Geduld ist ebenfalls gefragt: Bis zur ersten nennenswerten Apfelernte der Hochstämme dürften rund 15 Jahre vergehen. Bei den Niederstammspindeln wird ein Vollertrag nach etwa fünf bis sechs Jahren erwartet. Beide Seiten betonen, dass Arbeitsaufwand, Kosten und Verantwortlichkeiten bereits bei der Planung mitgedacht werden sollten – Agroforst bedeute üblicherweise: am Anfang mehr Arbeit für die Etablierung, während die Erträge erst später kommen.

Offene Fragen der Forschung

Untersucht werden nun die im Frühjahr 2025 veredelten Unterlagen langfristig unter realen Bewirtschaftungs- und Feldbedingungen. Im Vordergrund steht die Frage, wie sich die Bäume auf den verschiedenen Unterlagen bei unterschiedlicher Standortgüte entwickeln und welche Unterlagen Dürreperioden langfristig besser tolerieren. Da zwei Edelsorten mit allen Unterlagen kombiniert wurden, ergeben sich zudem Beobachtungen zu verschiedenen Unterlage-Edelsorten-Kombinationen. Erste belastbare Ergebnisse stehen indes noch aus – die Bäume müssen zunächst etablieren und wachsen, bevor sich langfristige Unterschiede zeigen.

Originalmeldung:
https://www.hochschule-rhein-waal.de/kennenlernen/presse/news/detail/forschung-zur-trockenterolanz-von-apfelunterlagen-im-feldversuch

Ansprechperson:
Hochschule Rhein-Waal
Teamleitung Hochschulkommunikation und -marketing
Lisa Waberg
+49 2821 80673 9832
lisa.waberg@hochschule-rhein-waal.de

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2026-09-17T10:53:54+02:0030.09.2026|Kategorien: Landwirtschaft, Nachhaltig|Tags: |

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