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HSBI entwickelt Aktionsleitfaden für nachhaltige Pflege

Aktionsleitfaden betrachtet endliche Ressourcen und Folgen des Klimawandels in der Pflege

© HSBI |  P. Pollmeier

Bielefeld, 27. August 2026. Ob hitzebedingte Belastungen, neue Infektionskrankheiten oder infrastrukturelle Probleme durch Wetterextreme – das Gesundheitswesen ist den Folgen des Klimawandels ausgesetzt. Gleichzeitig trägt es selbst zu dessen Ursachen bei. Um Pflege in Praxis und Lehre nachhaltiger zu gestalten, haben Forschende am Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich (InBVG) der Hochschule Bielefeld im Projekt „Green Guide for Nursing“ einen umfassenden Aktionsleitfaden für nachhaltiges Handeln in der Pflege entwickelt. Zusätzlich wurden digitale Educational Escape Rooms konzipiert, die Klimakompetenz spielerisch vermitteln. Alle Materialien stehen online zur freien Verfügung.

Dr. Eva Cruel ist Gesundheitswissenschaftlerin am Fachbereich Gesundheit der Hochschule Bielefeld (HSBI), ebenso wie ihre Kollegin Karina Ilskens. Zusammen haben die beiden am Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich (InBVG) das Forschungsprojekt „Green Guide for Nursing“ (Grüner Leitfaden für die Pflege) koordiniert, unter der Leitung von Prof. Dr. Christa Büker und Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck. In vier Themenbereichen – „Nachhaltig handeln“, „Kommunikation“, „Mentale Gesundheit“ und „Disaster Nursing“ – haben die Forschenden im „Green Guide“ für die Praxis konkrete Handlungsanleitungen und zusätzliche Materialien entwickelt sowie Educational Escape Rooms für die Lehre konzipiert. Das Projekt greift das international etablierte Konzept der „Planetary Health“ auf, der planetaren Gesundheit.  Ziel ist der gemeinsame Schutz der Gesundheit von Mensch und Planet: „Gesund leben kann man nur in einer gesunden Umwelt“, sagt Ilskens. „Und mit unserem Projekt wollen wir nachhaltiges Handeln in die Pflege bringen.“

Für ein Krankenhausbett wird so viel Energie gebraucht wie für zwei Einfamilienhäuser

Das Gesundheitswesen steht in einem doppelten Verhältnis zur Klimakrise: Es ist selbst betroffen – vor allem vulnerable Gruppen wie alte oder chronisch kranke Menschen – und belastet zugleich das Klima durch hohen Energieverbrauch, Ressourceneinsatz und große Abfallmengen (ein Krankenhausbett verbraucht so viel Energie wie zwei Einfamilienhäuser pro Tag).

Um praktikable Ansatzpunkte für nachhaltige Pflege zu finden, haben die Forschenden neben der Studienlage gezielt Pflegende in Fokusgruppen befragt. Auf deren Anregung wurde etwa der Bereich „Kommunikation“ (mit Patient:innen, Kolleg:innen, Argumentationshilfen) als zusätzliches Themenfeld aufgenommen. Grundprinzip: Keine Abstriche bei Patient:innen- und Infektionsschutz, aber in vielen anderen Bereichen lässt sich wirksam nachhaltiger handeln.

Praktikable Aktionen für akutstationäre, langzeitstationäre und ambulante Pflege-Settings

Die Gesundheitswissenschaftlerinnen haben bei der Entwicklung der Aktionen bewusst die unterschiedlichen Pflege-Settings im Blick behalten – akutstationär, langzeitstationär und ambulant –, da die Rahmenbedingungen und Umsetzbarkeit je nach Setting erheblich variieren. Wie Karina Ilskens betont, müssen die Maßnahmen wirklich passen, sonst werden sie nicht angenommen.

Die Themenbereiche gliedern sich in drei Hauptkategorien. „Nachhaltig handeln“ war dabei quasi vorgegeben: Ressourcenmanagement, Ernährung und Abfall gelten als Kernthemen nachhaltigen Handelns, bei denen Pflegeeinrichtungen besonders gut Einfluss nehmen können. In den Bereichen „Mentale Gesundheit“ und „Disaster Nursing“ stehen hingegen die Pflegenden selbst im Mittelpunkt. Mentale Gesundheit wird als notwendige Grundvoraussetzung betrachtet, um überhaupt ökologisch nachhaltig und klimaresilient handeln zu können. Zudem sollen die Beschäftigten auf Krisensituationen vorbereitet werden, wie sie durch Extremwetterereignisse im Zuge der Klimakrise entstehen könnten.

Als praktisches Werkzeug entstand auf Wunsch aus der Praxis heraus eine analoge Version des „Green Guide“: Eva Cruel zeigt einen Stapel stabiler Aktionskarten in einer hochwertigen Mappe. Auf der Vorderseite findet sich Hintergrundwissen zur jeweiligen Aktion, auf der Rückseite eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur konkreten Umsetzung. Die Karten lassen sich einfach in die Kitteltasche stecken und sind somit jederzeit griffbereit. Zusätzlich steht eine digitale Version zur Verfügung, die umfangreiche Zusatzmaterialien wie Sticker, Checklisten oder Vorlagen bereitstellt.

Kleine Änderungen mit großer Wirkung: Der Green Guide setzt bewusst niedrigschwellig an

Die Wissenschaftlerinnen haben besonderen Wert auf die leichte Umsetzbarkeit der Aktionen gelegt. Dr. Eva Cruel berichtet, dass einige Pflegende dem Thema Nachhaltigkeit zunächst skeptisch gegenüberstanden, mit dem Hinweis, bereits überlastet zu sein. Dem begegnet der Green Guide mit der klaren Botschaft, keinen zusätzlichen Aufwand zu schaffen, sondern kleine nachhaltige Maßnahmen in den alltäglichen Pflegealltag zu integrieren.

Der Ansatz fällt daher bewusst niedrigschwellig aus. Als einfaches Beispiel nennt Karina Ilskens, das Licht auszuschalten, wenn niemand im Raum ist – so wie man es zu Hause machen würde, aber auf der Arbeit oft vergisst. Manche Aktionen können die Arbeit sogar entlasten: Bei Einmal-Handschuhen sei es nicht nötig, diese für jede Tätigkeit anzuziehen, etwa beim Helfen beim Ankleiden. Schon hier lassen sich Ressourcen sparen.

Ist der Einstieg gelungen, bereitet der Green Guide auch komplexere Vorhaben vor, wie die Gründung eines Green Teams oder Ernährungsthemen. Bei der Umstellung auf regionale Produkte oder mehr vegetarische Kost müssten weitere Akteure eingebunden werden – vom Einkauf über die Hauswirtschaft bis hin zu den Patient:innen.

Educational Escape Rooms vermitteln den Studierenden das Wissen auf spielerische Weise

Um Nachhaltigkeit nicht erst in der Praxis zum Thema zu machen, haben die Forschenden auch Materialien für die Lehre in Pflege- und Gesundheitsstudiengängen konzipiert. Und setzen dabei nicht auf den erhobenen Zeigefinger, sondern auf digitale Educational Escape Rooms (EER). „Das Thema ist ja durchaus sperrig. Aber mit den EER lässt sich Klimakompetenz spielerisch vermitteln“, sagt Eva Cruel. Drei Räume sind so in Zusammenarbeit mit Studierenden entstanden, für jedes Pflege-Setting einer. „Innerhalb einer Rahmenhandlung bekommen die Lernenden fachlichen Input und müssen dann Rätsel lösen und Fragen beantworten zum Klimaschutz in den jeweiligen Bereichen“, erklärt Dr. Eva Cruel das Konzept. Es geht auf: In den Testspielen haben die Studierenden viel über Nachhaltigkeit in der Pflege gelernt – „und sie hatten auch noch Spaß dabei.“

Über den Green Guide

Der „Green Guide“ ist als Print-Version in begrenzter Stückzahl bestellbar unter der E-Mail-Adresse GG-Nurse@hsbi.de.  Zusätzlich steht er kostenlos online in der Lernplattform ILIAS zur Verfügung, inklusive Zusatzmaterialien wie Checklisten, Sticker und Vorlagen: www.hsbi.de/elearning/goto.php/crs/1625531

Zu den Educational Escape Rooms
Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich (InBVG)

Originalmeldung:
https://www.hsbi.de/presse/pressemitteilungen/hsbi-forschende-erarbeiten-aktionsleitfaden-fuer-nachhaltige-pflege-angesichts-endlicher-ressourcen-und-klimabedingter-herausforderungen-im-gesundheitswesen

Ansprechperson:
Hochschulkommunikation

+49.521.106-7754

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2026-09-04T12:42:12+02:0027.08.2026|Kategorien: Gesundheit & Pflege, Nachhaltig|Tags: |

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