HSBI-Forschungsprojekt DIGITPAIN untersucht Praxistauglichkeit in der Langzeitpflege

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Bielefeld, 02. November 2026. Wenn Menschen an einer fortgeschrittenen Demenz erkranken, verlieren sie häufig die Fähigkeit, sich adäquat verbal mitzuteilen. Für Pflegekräfte und die ärztliche Versorgung ist es in solchen Fällen eine große Herausforderung, Schmerzen rechtzeitig und verlässlich zu erkennen. Da Betroffene sich oft nur noch durch unspezifische Verhaltensänderungen wie Unruhe, Abwehr oder Rückzug ausdrücken können, bleiben Schmerzen im Alter nicht selten unerkannt oder werden fehlinterpretiert. Hier können digitale Technologien wie die Schmerzerfassungs-App PainChek® eine Lösung bieten. Wie gut sich solche Werkzeuge in den ohnehin anspruchsvollen Pflegealltag integrieren lassen, wollen Forscher:innen der HSBI zusammen mit verschiedenen Gesundheitseinrichtungen im Forschungsprojekt „DIGITPAIN“ herausfinden.
Das Vorhaben mit dem vollständigen Titel „Feasibility of digital and technology-based pain assessment in non-verbal people with dementia and technology acceptance among nursing staff in inpatient long-term care“ wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Programms DATIpilot mit knapp 90.000 Euro gefördert. Die Hochschule Bielefeld (HSBI) kooperiert während der 18-monatigen Laufzeit eng mit den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Technologischer Partner ist das australische Unternehmen PainChek Ltd. Projektleiterin am Fachbereich Gesundheit der HSBI ist Prof. Dr. med. Rena Amelung, die Stellvertretung übernimmt Dr. Olga Grintsova, MPH.
Von der Validierung in den echten Pflegealltag
Das Projekt DIGITPAIN baut auf einer Validierungsstudie auf, die Ende 2025 abgeschlossen wurde. Darin konnte die HSBI die wissenschaftliche Zuverlässigkeit der deutschen Version der PainChek®-App bei Menschen mit Demenz bestätigen. Die App kombiniert den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Erkennung schmerzanzeigender mimischer Muskelaktivität mit einem Beobachtungsprotokoll der Pflegefachkräfte und ermittelt daraus einen Schmerzscore und eine Schmerzstufe. Bei DIGITPAIN geht es nun um den entscheidenden Schritt von der Theorie in die Praxis: Es wird untersucht, ob und wie die digitale Lösung im tatsächlichen Alltag der Langzeitpflege in Deutschland angenommen wird. Der Fokus liegt ganz bewusst auf der Technikakzeptanz und Implementierungsbarrieren aus der Sicht der Pflegekräfte.
Sechs Monate Erprobung in der Praxis
Kernstück des Projekts, das am 17. November 2026 offiziell startet, ist eine sechsmonatige Erprobungsphase in drei stationären Langzeitpflegeeinrichtungen in Bielefeld. Die Implementierungsphase soll im März 2027 beginnen. Die Pflegefachpersonen sollen die Schmerzen mithilfe der PainChek®-App dabei eigenständig und ohne Eingriff des Forschungsteams bei Bewohnerinnen und Bewohnern mit mittelschwerer bis schwerer Demenz erfassen.
Begleitet wird die Erprobungsphase durch ein wissenschaftliches „Mixed-Methods-Design“: Vor und nach der Erprobungsphase werden detaillierte Fragebögen ausgefüllt und Interviews mit Pflegefachpersonen sowie Ärztinnen und Ärzten geführt. Für die Qualitätssicherung der digitalen Schmerzerfassung werden zusätzlich pseudonymisierte Versorgungsdaten ausgewertet – darunter Veränderungen bei der Schmerzmedikation, die Häufigkeit von Stürzen sowie Krankenhauseinweisungen.
Modell für ganz Deutschland?
Das übergeordnete Ziel von DIGITPAIN ist die Entwicklung eines praxistauglichen Implementierungskonzepts, das zeigt, wie digitale Schmerzerfassung reibungslos in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden kann. Die beteiligten Langzeitpflegeeinrichtungen der von Bodelschwinghschen Stiftungen dienen dabei als Modellregion. Das dort entwickelte Konzept soll so aufbereitet werden, dass es das Potenzial hat, sich auf die rund 11.000 Langzeitpflegeeinrichtungen in ganz Deutschland übertragen zu lassen. Damit könnte das Projekt einen zentralen Beitrag zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Demenz leisten. (vku)
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