Suche
Social Media Links

Wenn ein Garten zum Rückhalt wird

Forschung an der TH OWL zu zu blau-grüner Infrastruktur in Kriegszeiten.

Blumen vor dem Schutt eines zerstörten Gebäudes

© AdobeStock | Comofoto

Bielefeld, 25. September 2026. Wie können Wohngebiete auch unter den Bedingungen bewaffneter Konflikte resilient bleiben? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Architektin und Stadtforscherin Dr. Nadiia Antonenko im Rahmen ihrer Gastforschung an der TH OWL.

Sie untersucht, welche Rolle blau-grüne Infrastruktur für die Widerstandsfähigkeit urbaner Räume spielt und wie sie zum nachhaltigen Wiederaufbau nach Konflikten beitragen kann.

Zur blau-grünen Infrastruktur zählen unter anderem Grünräume, urbane Ökosysteme und Wasserstrukturen. Sie erfüllt in Städten ökologische, soziale und funktionale Aufgaben zugleich. In ihrem Forschungsprojekt Urban Resilience of Blue-Green Infrastructure in Residential Areas Under Military Threats untersucht Antonenko, wie sich diese Strukturen vor, während und nach bewaffneten Konflikten verändern.

Krieg hinterlässt dabei deutliche Spuren: Ökosysteme werden geschädigt, die biologische Vielfalt nimmt ab, Wasser- und Grünstrukturen werden zerstört. Gerade in Krisenzeiten können diese Strukturen jedoch wichtige Funktionen übernehmen, beispielsweise für die Versorgung oder den sozialen Zusammenhalt in Wohnquartieren.

Für ihre Forschung vergleicht Antonenko Städte, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind. Dabei kombiniert sie GIS-basierte räumliche Analysen mit frei verfügbaren Datensätzen sowie Interviews mit Bewohner:innen und Expert:innen. So zeigt sie nicht nur auf, welche Veränderungen in den betroffenen Städten stattfinden, sondern auch, welche Potenziale für Anpassung und Wiederherstellung bestehen.

Die Forschung hat einen klaren Praxisbezug: Ziel ist es, Ansätze für eine resiliente Stadtplanung unter militärischen Risiken sowie für den Wiederaufbau nach Konflikten zu entwickeln. Sicherheitsaspekte, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Resilienz sollen dabei stärker zusammengedacht werden.

Ein Beispiel aus Antonenkos Forschung ist ein gemeinschaftlicher Gemüsegarten in einem Wohnhof in Charkiw, nur 28 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Ursprünglich von einer durch den Krieg vertriebenen Familie als Nahrungsreserve angelegt, hat sich der Garten zu weit mehr entwickelt: Heute wird er gemeinsam von den Anwohner:innen gepflegt und ist zu einem Ort der Begegnung, des Austauschs und der gegenseitigen Unterstützung geworden. Er zeigt beispielhaft, wie blau-grüne Infrastruktur in Krisenzeiten nicht nur die ökologische Resilienz, sondern auch den sozialen Zusammenhalt stärken kann.

Forschung mit persönlichem Bezug

Für Dr. Nadiia Antonenko ist das Thema nicht nur Gegenstand ihrer wissenschaftlichen Arbeit, sondern auch persönlich geprägt. Die ukrainische Architektin musste nach der russischen Vollinvasion ihr Heimatland verlassen und kam im Juni 2022 nach Deutschland. Ihre wissenschaftliche Tätigkeit setzte sie unter anderem am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) fort. Ihrer ukrainischen Hochschule, der Nationalen Universität für Bauwesen und Architektur Kiew, bleibt sie dabei verbunden und lehrt dort online weiter.

Seit 2025 forscht Antonenko als Philipp-Schwartz-Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung an der TH OWL. Ihre Arbeit knüpft an ihre bisherigen Forschungsschwerpunkte zur Transformation von Wohnquartieren sowie an die sozialen, räumlichen und ökologischen Dimensionen urbaner Lebensräume an.

Mit ihrer Forschung am Institut für Designstrategien der TH OWL möchte sie dazu beitragen, Stadtplanung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen resilienter und nachhaltiger zu gestalten und Erkenntnisse für den Wiederaufbau von Städten nach Konflikten nutzbar zu machen.

Originalmeldung:
https://www.th-owl.de/news/artikel/detail/wohnquartiere-in-zeiten-des-krieges-forschung-zu-blau-gruener-infrastruktur/

Ansprechpartnerin:
Bianca Lukas
Komm. Dezernatsleitung
Dezernat Kommunikation & Marketing
Sachgebietsleitung Marketing
+49 5261 702 – 5945
bianca.lukas@th-owl.de

Teilen Sie diesen Artikel!

2026-10-15T15:47:45+02:0022.10.2026|Kategorien: Sicherheit, Stadtentwicklung|Tags: |

Nach oben