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Startups aus NRW | CUT4ALL

Startups aus NRW | CUT4ALL2026-09-10T13:28:47+02:00

Kurzinterview mit Gero Ulrich und Linus Hielscher – Gründer von CUT4ALL

Menschliche Haare als wertvolle Ressource im nachhaltigen Materialkreislauf

Ein Bild von den Gründern von CUT4all

Können Sie unseren Leser*innen knapp beschreiben, was sich hinter der Idee von CUT4ALL
verbirgt?

CUT4ALL überführt menschliches Haar aus Friseurbetrieben als wertvolle Ressource in einen nachhaltigen Materialkreislauf. Damit gehen wir sogar einen Schritt über die klassische Kreislaufwirtschaft hinaus, indem wir aus einem bislang entsorgten Reststoff einen völlig neuen Materialkreislauf schaffen. Haar eignet sich aufgrund seiner strukturellen und funktionalen Eigenschaften hervorragend als nachhaltiger Werkstoff und bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten. CUT4ALL sammelt diesen Reststoff, bereitet ihn auf und entwickelt daraus innovative Produkte zur Optimierung der Raumakustik. Zukünftig sind auch natürliche Dämmstoffe aus Haaren sowie weitere umweltrelevante Anwendungen denkbar.

Wie ist die Idee für das Unternehmen entstanden?

Der entscheidende Gedanke kam Mitte letzten Jahres eher zufällig: Ich war bei meinem Vater im Friseursalon zum Haare schneiden. Wie so oft habe ich anschließend meine Haare selbst zusammengefegt und in den Mülleimer geworfen. In diesem Moment fragte ich mich, ob mit diesem „Abfall“ nicht etwas Sinnvolleres passieren könnte, als ihn einfach zu entsorgen und zu verbrennen. Durch mein Architekturstudium lag der Gedanke nahe, das Potenzial von Haaren als nachhaltigen Werkstoff zu untersuchen. Nach ersten Versuchen und vielen Gesprächen mit meinem damaligen Teampartner Nils Ebler, den ich kurz nach der Idee mit ins Boot geholt hatte, wurde schnell klar, dass Akustikprodukte das größte Potenzial für einen erfolgreichen Markteinstieg bieten. So entstand schließlich die Idee, hochwertige Akustiklösungen aus menschlichem Haar zu entwickeln.

Wie gestaltete sich die Finanzierung Ihrer Gründung?

Die Finanzierung unserer Gründung erfolgte in mehreren Schritten. Zu Beginn konnten wir eine Person aus unserem privaten Umfeld von unserer Idee überzeugen. Mit ihrer Hilfe konnten wir die Entwicklung der ersten Prototypen und die Validierung unserer Idee vorantreiben. Nach einigen Monaten intensiver Entwicklungsarbeit bewarben wir uns erfolgreich für das Gründerstipendium.NRW. Das Stipendium ermöglicht es Gründerinnen und Gründern, sich durch eine monatliche Förderung voll auf den Aufbau ihres Unternehmens und die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee zu konzentrieren. Mit dem Fortschritt des Projekts wachsen nun auch die finanziellen Anforderungen. Deshalb prüfen wir derzeit verschiedene Möglichkeiten, um die Markteinführung unserer ersten Produkte zu finanzieren. Beispielsweise durch Förderprogramme, strategische Partner oder Investorinnen und Investoren.

Von der Idee zum Unternehmen: Beschreiben Sie uns Ihren Weg bis hin zur Gründung.

Nach der ersten Idee stand für uns zunächst die Frage im Mittelpunkt, ob sich menschliches Haar überhaupt sinnvoll als Rohstoff einsetzen lässt. Deshalb haben wir viel recherchiert, erste Materialtests durchgeführt und verschiedene Einsatzmöglichkeiten untersucht. Schnell wurde deutlich, dass menschliches Haar aufgrundseines hohen Keratingehalts spannende Eigenschaften für nachhaltige Bau- und Innenausbaumaterialien sowie viele weitere Anwendungsbereiche besitzt. Parallel dazu haben wir mit Friseursalons gesprochen, um herauszufinden, ob sich Haare in ausreichender Menge sammeln lassen und wie eine funktionierende Sammelstruktur aussehen könnte. Gleichzeitig haben wir den Markt analysiert und mit potenziellen Kundinnen und Kunden sowie Expertinnen und Experten aus der Bau- und Akustikbranche gesprochen. So konnten wir die technische Machbarkeit mit den tatsächlichen Anforderungen des Marktes verbinden. Auf dieser Grundlage entstand schließlich die Entscheidung, den Fokus zunächst auf Akustikprodukte zu legen. Sie bieten einen vergleichsweise einfachen Markteinstieg und ermöglichen es uns, die Vorteile des Materials – Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Verbesserung des Raumklimas und gute akustische Eigenschaften – unmittelbar erlebbar zu machen. Mit zunehmender Reife des Projekts folgten die nächsten Schritte: der Aufbau eines Netzwerks aus Friseursalons, Produktionspartnern und Industriepartnern, die Entwicklung erster Prototypen, die Ausarbeitung eines tragfähigen Geschäftsmodells sowie kürzlich die Gründung des Unternehmens. Heute arbeiten wir daran, unsere ersten Produkte zur Marktreife zu bringen und menschliches Haar als nachhaltigen Rohstoff langfristig zu etablieren.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die Sie auf Ihrem Gründungsweg überwunden haben?

Auf dem Weg zur Gründung gab es natürlich verschiedene Herausforderungen. Besonders am Anfang standen wir vor vielen grundlegenden Fragen rund um die technische Machbarkeit, Patente, geeignete Produktionsverfahren und die rechtlichen Rahmenbedingungen. Für viele dieser Themen gab es keine fertigen Lösungen, sodass wir uns das notwendige Wissen Schritt für Schritt selbst erarbeiten mussten. Die größte Herausforderung war jedoch, dass mein damaliger Mitgründer Nils Ebler das Projekt aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste. Das war sowohl menschlich als auch organisatorisch ein einschneidender Moment. Viele Aufgaben mussten neu verteilt und der weitere Weg neu geplant werden. Gleichzeitig brachte diese Phase auch etwas Positives mit sich. Mein langjähriger Freund Linus Hielscher, der das Projekt schon früh unterstützt hatte, entschied sich, als Mitgründer einzusteigen. Dadurch konnten wir nahtlos weiterarbeiten und das Projekt mit neuer Energie vorantreiben.

Welche nächsten Ziele streben Sie an?

Unser kurzfristiges Ziel ist es, möglichst viel menschliches Haar als wertvollen Rohstoff zu erschließen. Allein in Deutschland fallen jedes Jahr rund 1,4 Millionen Kilogramm Haare an, die heute größtenteils entsorgt und verbrannt werden. Jedes Kilogramm, das stattdessen gesammelt und zu einem hochwertigen Produkt verarbeitet wird, spart Ressourcen und trägt zu einer nachhaltigeren Kreislaufwirtschaft bei. Aktuell arbeiten bereits über 25 Friseursalons mit uns zusammen und spenden ihre geschnittenen Haare. Dieses Netzwerk möchten wir in den kommenden Monaten kontinuierlich ausbauen, um eine flächendeckende und zuverlässige Rohstoffversorgung zu schaffen. Parallel dazu konzentrieren wir uns auf die Markteinführung unserer ersten Akustikabsorber. Sie bilden den Einstieg in unsere Produktwelt und zeigen, welches Potenzial in dem bislang ungenutzten Rohstoff menschliches Haar steckt. Langfristig möchten wir weitere innovative Produkte für unterschiedliche Anwendungsbereiche entwickeln und unsere Technologien durch Patente schützen. Unser Ziel ist es, CUT4ALL als Unternehmen zu etablieren, das ökologische Wirkung mit einem skalierbaren Geschäftsmodell verbindet und so einen konkreten Beitrag zu einer nachhaltigeren Nutzung vorhandener Ressourcen

Wir danken Gero Ulrich und Linus Hielscher herzlich für das Gespräch! Dem Team von CUT4ALL wünschen wir auf dem weiteren Weg alles Gute!

Weitere Infos zu CUT4ALL finden Sie hier: https://www.cut4all.com/
Weitere Infos zur FH Dortmund finden Sie hier: https://www.fh-dortmund.de/

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