Suche
Social Media Links

Damit das Kreuzband nicht zweimal reißt

Mit Hilfe eines Sensors soll die Genesung eines Kreuzbandrisses besser überwacht werden.

© AdobeStock | Jo Panuwat D

Münster, den 11. August 2026. Ein Kreuzbandriss ist eine langwierige Verletzung: Die Genesung dauert lange, wer das Knie danach falsch belastet, läuft Gefahr, wieder in den OP zu müssen. In dem Hochschulmagazin der FH Münster geht es um Prof. Dr. Jens Wermers. Er entwickelt einen Sensor, um Belastungen zu messen, die Rehabilitation zu verbessern und damit einer erneuten Verletzung vorzubeugen.

Verdreht, gestürzt, verletzt: Ein Riss des vorderen Kreuzbandes ist die am häufigsten auftretende Knieverletzung. Rund 40.000 Kreuzbandrisse treten allein in Deutschland jährlich auf. Um dies wieder zu richten, erhalten Patient*innen ein Transplantat in Form einer körpereigenen Sehne, die an anderer Stelle im Körper entnommen und im Knie eingesetzt wird. Diese ersetzt das beschädigte Kreuzband. Die vollständige Genesung kann jedoch bis zu zwei Jahre dauern – und jedes fünfte rekonstruierte Kreuzband läuft Gefahr, in Folge einer Überdehnung oder -belastung erneut zu reißen. Prof. Dr. Jens Wermers vom Fachbereich Physikingenieurwesen arbeitet nun an einem Weg, die Behandlung der Kreuzbänder effizienter zu gestalten: Ein spezieller Sensor soll die Kräfte messen, die bei Bewegungen auf das Band wirken, ungeeignete Belastungen identifizieren und damit zur Analyse des Heilungsprozesses beitragen.

„Wir nennen das den Graft Monitor“, erklärt der Professor für Sensorik und Messtechnik. „Der Sensor wird während der Kreuzband-Rekonstruktion im OP-Saal minimalinvasiv im Knie angebracht und mit passiver Elektronik ausgestattet. Er kann dann drahtlos gemessen und ausgelesen werden.“ Dieses sogenannte in-vivo-Verfahren ist neuartig. Bislang habe es in der Forschung neben Laborexperimenten Versuche gegeben, Sensoren direkt am Kreuzband anzubringen. Diese haben es jedoch in der Regel beschädigt oder zur Bewegungsbeeinträchtigung geführt. Der Graft Monitor – Graft ist Englisch für Transplantat – hingegen soll nicht weiter auffallen und aus bioverträglichen Materialien gemacht sein, um dem Körper nicht zu schaden. „Konkret schlägt der Sensor bei Belastungen aus. Je weiter der Heilungsprozess voranschreitet, desto schwächer wird mit der Zeit auch das Signal“, so Wermers.

Erneutem Riss vorbeugen

Noch steht das Projekt, das Wermers gemeinsam mit Prof. Dr. Christoph Kittl und Dr. Adrian Deichsel in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Münster (UKM) und gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) durchführt, am Anfang. Derzeit arbeitet das Team an einem ersten Prototyp des Sensors sowie des Lesegeräts und prüft das Messverfahren. Das System soll dabei helfen, die Rehabilitation nach einer Kreuzband- OP mit geeigneten Bewegungen und Maßnahmen zu verbessern. „Bei einer kontinuierlichen Messung können wir Rückschlüsse ziehen, welche Bewegungen dem rekonstruierten Kreuzband schaden und so gegebenenfalls dazu beitragen, einem erneuten Riss vorzubeugen.“ Perspektivisch sei das Verfahren dann auch auf andere Bänder im Körper übertragbar.

Originalmeldung:
https://www.fh-muenster.de/de/ueber-uns/newsroom/news/phy/aus-dem-hochschulmagazin-fhocus-damit-das-kreuzband-nicht-zweimal-reisst

Ansprechpartnerin:
FH Münster
Pressesprecherin
Katharina Kipp M.A.
+49 (0)251 83 64090
katharina.kipp@fh-muenster.de

Teilen Sie diesen Artikel!

2026-08-18T14:33:10+02:0018.08.2026|Kategorien: Kreislaufwirtschaft, Kultur & Kreativität|Tags: |

Nach oben